Guide Gérald

Der Restaurant- und Kneipentest

Printmedien zum Thema "wo esse ich am besten" gibt es in der heutigen Welt des überschwenglichen Luxus zur Genüge. Zahlungskräftiger Kundschaft wird in diversen "Guides" der Weg in den Sterneolymp gewiesen, wo von steifen Service-Pinguinen schier unaussprechbare Essenskreationen serviert werden. Zugegeben, Essenskultur ist ein Spiegel unserer Gesellschaft und zu ihr gehört zwangsläufig die absolute Top-Gastronomie, die, wie auch immer sie präsentiert wird, zeigt, was in der Küche mit frischen Zutaten, einer einerseits streng militärisch organisierten Staffel und andererseits einem Stückchen Kreativität maximal möglich ist.

Wir hingegen widmen uns hier den kleinen Gasthäusern, wo es heisst "hier kocht der Chef noch selbst". Oder, wie im Wallis ein Schild an einem Gasthaus verkündete: "les patrons au fourneau". Nur zu hoffen, dass zuviele Köche nicht den Brei verderben.

Bewertung

 --xxx Die Restaurants werden in der Reihenfolge des Testdatums geordnet, der aktuellste Test steht dabei immer am Anfang. In die Bewertung gehen die Qualität des Essens und der Service ein. Außergewöhnliches, gemütliches Ambiente wird auch berücksichtigt. Es werden bis zu 5 Kochmesser vergeben. Natürlich werden die Restaurants vorher nicht über den geplanten Testbesuch in Kenntnis gesetzt und der Testesser gibt sich nicht als solcher zu erkennen - anders als bei einigen berühmten Gastro-Guides üblich. Die Tests spiegeln lediglich unsere Erfahrungen beim Testbesuch am genannten Datum wider.

Es ist geplant, dass diese Seite ständig erweitert wird.


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Wertung: 3 Kochmesser

Landgasthaus Altenhof, Altenhof 3, 67677 Enkenbach-Alsenborn, Tel. (06303)87522

Getestet am: 19.08.2004

Dieses Gasthaus befindet sich inmitten des Pfälzer Waldes an der Bundesstraße zwischen Hochspeyer und Neustadt/Weinstraße. Ein großzügiger, verglaster Terrassenanbau neben der Gaststube und weitere Tische im Biergartenbereich lassen erahnen, welchem Besucheransturm man hier gelegentlich begegnen kann. Wir nehmen im Aussenbereich platz und stellen Fest, dass Tische und Stühle etwas angeschmutzt sind, was wohl auf die nahen Bäume zurückzuführen ist. Der vierzehnjährige Sohn des Hauses bedient zwar nur aushilfsweise, aber sehr souverän und man spürt, wieviel Spaß ihm die Arbeit bereitet. Im Ausschank gibt es zumindest momentan noch das bananige Parkbräu Hefeweizen (EUR 2,70) aus Pirmasens vom Fass, das könnte sich wegen der Insolvenz der Brauerei aber bald andern.

Dass Schmalhans hier nicht Küchenmeister ist, zeigt die reichhaltige Speisenkarte, auf der auch Wildgerichte nicht zu kurz kommen. Da die Pfalz für ihre deftige Wurstkuche bekannt ist, bestellen wir einen vorzüglichen Hausmacher Teller (EUR 5,50) mit Leberwurst, Bratwurst, Presswurst, serviert mit Senf und Brot. Wir erfahren, dass die Wirtsfamilie löblicher Weise alle Wurstkonserven ohne den Einsatz von Pökelsalz herstellt. In einem kleinen Verkaufsraum in der Gaststätte kann man die Spezialitäten des Hauses zur Mitnahme erweben, wobei auch die Wildspezialitäten Wildschweinschinken und Wildschweinleberwurst nicht ungenannt bleiben dürfen.


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Wertung: 3 Kochmesser

Gasthaus Restaurant Schu, Mühlenstraße 4, 54340 Leiwen, Tel. (06507)3118

Getestet am: 18.08.2004

Fährt man von Bernkastel-Kues der Mosel entlang flussaufwärts, so trifft man kurz vor dem Ende der Mittelmosel, wo sich das enge Moseltal mit seinen Steilhangen zu weiten beginnt, auf den Weinort Leiwen. Hier besuchen wir das Restaurant Schu und setzen uns an einen der gemütlichen Eckbanktische. Die Stube ist dunkel gehalten und jeder Tisch wird durch eine im Leder-Look gehaltene Schirmlampe in warmes Licht getaucht und eine mechanische Wanduhr schlägt die Stunden. Leider steht in einer Ecke ein beleuchteter Minikunststofftannenbaum und die strukturverputzten Wände sind mit miniaturisierten Handwerkzeugen aus der Landwirtschaft dekoriert, was die Szenerie am besten mit der Wortschöpfung "rustikitschig" umschreiben lasst. Auf dem Tisch steht ein gefüllter Aschenbecher, den wir zum Lesen der Speisenkarte an den leeren Nachbartisch verbannen.

Auf die schlechte, auch hier durch die Vertragsbrauerei des Hauses eingeführte Sitte, statt einer Halben nur noch 0,4l ausschenken zu lassen, reagieren wir mit der Bestellung einer hervorragenden Flasche Maisels Weisse (EUR 2,60). Aus der abwechslungsreichen Speisenkarte bestellen wir Rumpsteak Weinberg (EUR 12,60), gebratenes Zanderfilet (EUR 11,80), beides mit Salat und den Haustopf Laurentius, der verschiedene Steaks an Sherrysauce und Sauce Béarnaise, sowie Hausmacherspätzle und verschiedene Gemüse enthält. Die Qualität aller Speisen ist gut, die Saucen sind selbstgemacht und die Steaks au point gegart, lediglich das Gemüse ist leider eine Tiefkühlfertigmischung und die Hausmacher-Spätzle sind etwas zu trocken geraten. Insgesamt sind wir aber zufrieden und können das Haus weiterempfehlen.


Wertung: 0 Kochmesser

Zur Römervilla in Mehring / Mosel

Getestet am: 20.08.2003

Römervilla MehringDer Name klingt hier schon vielversprechend. Das Gasthaus liegt im Neubaugebiet von Mehring an der Mosel, genau gegenüber der Ausgrabung und teilweisen Rekonstruktion einer Römervilla. Auf Laternen und Sonnenschirmen wird für Bitburger Bier groß Reklame geschoben, wir nehmen im Außenbereich Platz und freuen uns an diesem heissen Abend auf ein kaltes Getränk. Beim Versuch, ein großes Radler zu bestellen, kommt die Bedienung aus dem Konzept und fragt, ob sie zwei Flaschen Bier und eine Flasche süßen Sprudel bringen soll. Vorsorglich werden wir darüber unterrichtet, dass es sich hier um eine Weinstube handelt, in der es kein offenes Bier gibt. So bestellen wir lieber ein wohlschmeckendes großes Traubensaft-Schorle, das mit EUR 3,- berechnet wird. Beim Blick auf die Speisekarte fallen Variationen mehrerer, einfacher Gerichte auf. Wir bestellen 1/2 Hähnchen mit Fritten und Salat für EUR 6,- und ein paniertes Zigeunerschnitzel mit Fritten und Salat für EUR 8,-.
Als der Salat serviert wird, kommt die erste richtige Enttäuschung des Abends: neben einem Salatdressing, das nach eingeschlafenen Füßen schmeckt, erzählen uns die welken Salatblätter die traurige Geschichte des stundenlangen, angerichteten Wartens in der Küche. Dann wird das warme Essen gebracht. Die in der Friteuse gegarten Hähnchen sehen gut aus, sind aber zur Würzung lieblos mit einem Teelöffel Paprikapulver überschüttet, der sich beim Anschneiden als Paprikawolke fein über die Teller legt. Vermutlich ist in der Küche der Streuaufsatz der Paprikadose abhanden gekommen. Das tadellos panierte Schnitzel ist mit einer Zigeunersoße verfeinert, die uns beim ersten Schnuppern fast die Atemwege verätzt. Die Geschmacksprobe zeigt es noch deutlicher: Dem Koch scheint mit den Dosenpaprika versehentlich die Essigflasche in die Soße gefallen zu sein. Traurig nur, dass er diesen Fehler beim Abschmecken nicht bemerkt hat. Zu guter Letzt finden wir in den lommeligen Fritten noch ein drei Millimeter langes Metallstück, das uns endgültig den Appetit verdirbt. Möglicherweise stammt es aus einem Scheuerschwamm oder es ist ein Teil des vermissten Paprikastreuers. Als wir uns über die Mißstände beschweren, bekommen wir lediglich eine halbherzige Entschuldigung zu hören.
Wenn Sie unter Eisenmangel leiden und Schock-Erlebnisgastronomie lieben, sind Sie in dieser Weinstube bestens aufgehoben. Und unser Tip an den Koch: VHS-Kochkurs besuchen, oder ein Grundkochbuch kaufen.


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Wertung: 5 Kochmesser

Landgasthof Adler in Helmstadt, Familie Helmut Klaus

Getestet am: 21.08.2003

Landgasthof Adler in HelmstedtAußen sind an dieser Gaststätte Schilder und Reklamen einer großen Stuttgarter Brauerei angebracht, die vor dem Besuch eigentlich eher warnen als einladend wirken. Wir haben aber Hunger und lassen uns von unserem Vorhaben, hier etwas zu essen, nicht abbringen. Der mit Schreibmaschine getippte Aushang zeigt ein einfaches Speisenangebot. Wir betreten die zur Schreibmaschinenschrift passende Gaststube im Fünfziger-Jahre-Look und haben freie Tischwahl, denn wir sind die einzigen Gäste. Ein älterer Herr kommt und nimmt unsere Getränkebestellung auf. Es stellt sich heraus, dass auch Schmucker Bier im Ausschank ist und bestellen ein hervorragendes dunkles Hefeweizen vom Fass. Der Wirt erzählt uns, dass er an keine Brauerei gebunden sein möchte und er deshalb auch keine Verträge mehr abschließt, denn schließlich gehöre ihm ja die Gaststätte mit Inventar. Sehr lobenswert, denn so kann er beliebige Biermarken ausschenken. Wir bestellen etwas zum Essen und der Wirt zieht sich in die Küche zurück. Nach etwas mehr als 20 Minuten werden uns die Speisen in hervorragender Qualität frisch zubereitet serviert. Pommes Frites und Dauphin-Kartoffeln werden hier noch vom Küchenmeister persönlich hergestellt. Wegen der außergewöhnlichen Qualität und des guten Preis-Leisungs-Verhältnisses erhält dieser Gasthof die Höchstwertung. Schade, wenn dieser Gasthof aus Altersgründen geschlossen wird, denn hier ist ein altes Wirtspaar im Dienst, das viel Spaß an der Arbeit hat. Zu erwähnen ist auch noch die Kegelmöglichkeit im Keller.


Letzte Änderung am 25.06.2007 durch Rôtisseur d'ASCII